Neu Horno

Ein Dorf zieht um.

Trotz großem Widerstand mussten die Einwohner von Horno dem voranschreiteten Tagebau Jänschwalde weichen. Ein großer Teil der Einwohner bekam am Rande der Stadt Forst in Neu Horno ein neues Zuhause.
Mit eigenen PKW sind am 13.07.2017 die Telekonsenioren in die neue Heimat der Hornower gefahren. Unser Wolfgang mit Begleitung gab in der neuen Kirche mit der Haube der alten Kirche ein wunderschönes Orgelkonzert. Wir waren alle begeistert. Die Frau  Pfarrerin Dagmar Wellenbrink-Dudat in Ruhe erklärte uns den schweren Weg der Umsiedlung und die Bedeutung des neuen Altars.
Wir haben neben unseren Wolfgang noch einen weiteren Künstler unter uns. Er hat die Erlebnisse unserer Exkursion in Verse gefasst.

Die Orgel spielt auch Walzer

Beim Glauben herrscht Demokratie,
einer glaubt sofort, der andere nie.
Die Glaubensrichtung, auch Konfession genannt,
ändert sich oft von Land zu Land.
Egal, ob Feigenblatt oder Lendenschurz
das Leben ist für alle Menschen zu kurz.

Selbst wenn wir alle 100 werden,
ist das nur ein Augenblick auf Erden.
Drum lassen wir den Frohsinn fließen,
um die Senioren Rest Zeit zu genießen.
Doch, das sollten wir nicht vergessen,
unser Land hat schon viele Erben besessen.

Die politische Geschichtsschreibung
erinnert uns an Flucht und Vertreibung.
Das wirtschaftliche Bodenschätze heben
ließ Dörfer unter Sprengung und Abriss beben.
Horno war bisher der letzte Ort,
den man siedelte samt Kirche fort.

Um die Problematik zu verstehen,
muss man sich vieles selbst ansehen.
Wir wollten das und ließen uns laden,
im neuen Horno im Orgelkonzert zu baden.
Herr Noack ist von uns ein alter Kollege
und auf der Orgel ein virtuoser Stratege.

Über fünfzig Kolleginnen und Kollegen
kamen seines Konzertes wegen.
Von einer Dame mit Trompete begleitet
hat er jedes Stück mit Worten eingeleitet.
Dann ließ er Iange die Orgel tönen,
vom hohen Flüstern bis zum dumpfen Dröhnen.

Und zum Schluss mit Gesang und Applaus,
kam der Forster Rosenwalzer heraus.
Die Pfarrerin in Ruhe kam einst aus Berlin
und half der Gemeinde moralisch beim Umzieh’ n.
Sie erklärte die Kunst und beantwoftete Fragen
Nicht nur von heute, auch aus älteren Tagen.

Wir besichtigten das Innere vom Gotteshaus
und strömten auch in den Garten aus.
lede Bodenwelle und jeder bucklige Feldstein
sollen stille Zeugen der Orte und Landschaft sein.
So wie der Altar, der aus Glas entstand,
gefüllt ist mit Alt Hornoer Sand.

Ich habe den Spruch der Woche vermisst,
weil am Altar eine leere Schrifttafel ist.
Wir konnten viele Worte schenken,
doch wir mussten auch ans Essen denken.
Und so schlichen wir auf krummen Wegen
einer polnischen Gastwirtschaft entgegen.

Erst nach der letzten Kurve im Hügel Sand
sah man das blumenbewachsene Land.
Dort wurden Terrinen und Schüsseln geleert,
so wie einst als Familie am heimischen Herd.
Es wurde getrunken, geredet und gelacht,
nach dem Bezahlen wieder die Heimfahrt gemacht.

13.07.2O17 @ W. R.Guthmann